mephisto 97.6, 08. Juli 2008, 09:51 Uhr
Seifenblasen made in Leipzig
Beitrag von Lars Reinhold
Der Traum ist zerplatzt wie eine Seifenblase- Lyrik, Dramatik und nicht zuletzt die Wirtschaftsberichterstattung schlachten diese Floskel seit Jahrzehnten aus. Doch damit könnte es jetzt ein für allemal vorbei sein.
Die kleine Flasche mit der Aufschrift Stubbles unterscheidet sich kaum von den bekannten Produkten wie Pustefix und Co. Lediglich der Aufdruck "unkaputtbar" scheint im Kontext von Seifenblasen mehr als gewagt. Zieht man den Ring aus der honigartigen Flüssigkeit und bläst hindurch, entwickeln sich zunächst normale Seifenblasen. Das unrühmliche Ende ihresgleichen bleibt ihnen jedoch erspart: Sie platzen nicht.
"Stubbles sind stabile Seifenblasen, sehen erstmal nach dem Pusten aus dem Ring genauso aus wie jede andere normale Seifenblase, sie sind bunt schillernd, sie fliegen leicht durch die Luft, nur mit dem Unterschied, nach drei bis zehn Sekunden härten sie aus und zwar derart, dass man sie dann also anfassen kann mit dem Finger, dass man sie durch die Luft boxen kann, dass man Türme damit bauen kann, ja und viel Spaß damit haben kann. Das ist das tolle und immer wieder faszinierende an den Stubbles", erklärt Dirk Schuhmann, Gründer des Unternehmens "Bubbles & Beyond" und Entwickler der stabilen Blasen.
Er verspricht viel - und behält Recht. Bei trockener Luft härtet die Hülle der Blasen zu einer Art Kunststoff aus und sie verwandeln sich in federleichte aber erstaunlich stabile Kugeln. Jeder, der schon einmal selbst versucht hat, lediglich mit Wasser und Spülmittel normale Seifenblasen zu machen, wurde eines Besseren belehrt. Damit überhaupt Blasen entstehen, bedarf es einer ausgefeilten Mischung verschiedener Substanzen. Um die nur ein Millionstel Millimeter dicken Wände einer Seifenblase auch noch zu verfestigen, sind einige Tricks notwendig, betont Dirk Schuhmann.
Zum einen würden die Stubbles viel Wasser enthalten, dann einen Filmbilder, der eine hauchltendünne Membran bildet. Oberflächenaktive, also seifenähnliche Substanzen werden durch ein paar Geheimzutaten ergänzt, damit die Blasen farbig und vor allem stabil werden, so Schuhmann
Nicht gefährlicher als Shampoo
Manche Eltern mögen sich fragen, ob diese Geheimzutaten auch unbedenklich sind, zumal die Stubbles vorwiegend als Kinderspielzeug verkauft werden. Schumann betont, die Stubbles-Flüssigkeit sei nicht gefährlicher als Kindershampoo. Darüber hinaus seien es nicht Kinder, sondern Erwachsene, die den größten Spaß an den Stubbles haben. In ihren Köpfen sei es einfach drin, dass Seifenblasen platzen. Dadurch faszinieren sie die Stubbles viel mehr als Kinder.
Auf die Frage, wie man überhaupt auf die merkwürdige Idee kommt, "unkaputtbare" Seifenblasen zu entwickeln, antwortet Schumann mit einem Schmunzeln. Alles sei vor drei Jahren aus einer Anfrage entstanden, die er zuerst für nicht realisierbar hielt.
"Damals hatte ich eine wissenschaftlich-technische Unternehmensberatung, und da kam jemand auf mich zu und fragte mich, ob es möglich sei, stabile Seifenblasen zu erzeugen. Hab aber gesagt, ich mach mich mal dran und drei Monate später hatte ich die ersten Prototypen in der Hand. Wir haben im Grunde genommen Tag und Nacht versucht und war auch viele Fehlschläge natürlich dabei aber irgendwann hat das geklappt, irgendwann waren wir dann so weit dass man eben Seifenblasen anfassen konnte. Dann wurde des ganze noch perfektioniert und irgendwann kam dann das Grundrezept für die Stubbles dabei raus."
Die physikalischen und chemischen Prozesse, die hinter den unkaputtbaren Seifenblasen stecken, lassen sich auch in anderen Bereichen nutzen. So forscht Schumann mit seinen Mitarbeitern unter anderem an der Stabilisierung von Schäumen. Ob es bald auch stabilen Badewannenschaum geben wird - schäumen wir mal.