Seinem vierjährigen Sohn kann Schumann etwas ganz Besonderes bieten: Seifenblasen, die wochenlang nicht zerplatzen - sie lassen sich anfassen und sogar stapeln. Der Effekt funktioniert dank einer von Schumann erfundenen Oberflächentechnologie - sie ist das zweite Standbein für Bubbles & Beyond.

 

Auch die Geldgeber ließen sich von den verblüffenden Blasen überzeugen. Bei einem Treffen mit Investoren hängten Schumann und Surkow die Blasen zur Zierde in ein paar Bäume. Die Bubbles vermarktet die Firma gemeinsam mit Pustefix. Künftig soll die zugrunde liegende Technik der Schaumstabilisierung auch in Baumaterialien zum Einsatz kommen.

 

Der Wunsch, irgendwann nützliche chemische Substanzen herzustellen, treibt Schumann seit Kindesbeinen an. "Als ich mit 13 Jahren anfing, war in den Chemiebaukästen noch was Ordentliches drin - und nicht nur Zucker wie heute", sagt er. Damals habe man als Kind noch etwas lernen können bei eigenen Experimenten. Er selber schüttete zu Beginn seiner Karriere alles wild zusammen, blauer Schaum versaute den Teppich im Kinderzimmer. "Seither bin ich Chemiker", sagt der schlaksige Forscher mit der hohen Stirn und Geheimratsecken.

 

Die zündende Idee für das Anti-Graffiti-Mittel kam Schumann, als sich Leipzig im Vorfeld der WM 2006 herausputzte und in etlichen Kampagnen Graffiti der Kampf angesagt wurde. "Mit herkömmlichen Spezialreinigern ist das Entfernen eine Heidenarbeit", sagt Schumann. Das musste doch besser gehen. Noch als angestellter Wissenschaftler am Umweltforschungszentrum in Leipzig (UFZ), wo er an Biopolymeren arbeitete, machte er erste Tests.

 

Am UFZ lernte er auch seinen jetzigen Kompagnon Rainer Surkow kennen. Der 41-jährige Biotechnologe hatte die Laborbank damals schon gegen einen Platz am Schreibtisch eingetauscht und schärfte im Bereich Technologietransfer seinen Blick für das Anwendungspotenzial neuer Techniken. Surkow erkannte in Schumann den richtigen Sozius mit der richtigen Idee. Zwei Investoren sprangen auf, der High-Tech-Gründerfonds zahlte eine halbe Million Euro.

 

Ein fanatischer Gegner von Graffiti ist Schumann übrigens nicht: "Als Student habe ich selber welche gesprayt, aber legal", sagt er. Was ihn stört, sind die Tags, einfache Schriftzüge - ohne jeden künstlerischen Wert. Ihr Graffiti-Crack verkaufen die Unternehmer bereits an die ersten Probekunden. Dabei bleibt es nicht, so viel ist sicher. Schumann zaubert aus seinen Reagenzgläsern schon die nächsten Ideen. Eine Graffiti-Schutzschicht für Fassaden etwa und ein Reinigungsmittel für feinporige Steinplatten sind schon im Praxistest.